Taiwo Jacob Ojudun / Uche Emmanuel Enechukwu
Unbound Geographies: Reimagining Bodies, Borders, and the City
20. 7. – 8. 8. 26
Unbound Geographies ist ein dreiwöchiger, interdisziplinärer Workshop, bei dem wir der Frage nachgehen, wie sich Körper, Grenzen und urbane Räume gegenseitig gestalten. Der Kurs wurde in Zusammenarbeit mit ChristophSchlingensiefs „Operndorf Afrika“ durch Taiwo Jacob Ojudun initiiert und geht der Frage nach, wie Migrationsgeschichte, Vertreibung und Kolonialismus in europäischen Städten verkörpert sind.
In der Gruppe und in Einzelarbeit mit dem Dozenten untersuchen die Teilnehmenden Grenzen als gelebte Erfahrung, die von Erinnerungen und Gesellschaftsstrukturen geprägt ist. Durch die Arbeit mit Tanz, somatischer Praxis, kollektivem öffentlichen Raum, mündlichen Archiven, spekulativen Medien und multimedialen Experimenten lernen die Teilnehmenden neue künstlerische Techniken kennen, verbessern ihren individuellen Ausdruck und stärken ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit.
Die Teilnehmenden werden die Performance als eine Vermittlerin von Erinnerung und Gemeinschaft begreifen lernen und künstlerisch-kritische Interventionen im städtischen Raum entwickeln. Der Kurs schließt mit einer öffentlichen Präsentation ab, in der die Ergebnisse der eigenen Forschung und künstlerischen Arbeit zusammenlaufen. Die Präsentation unterstützt die Teilnehmenden außerdem dabei, ihre eigene Praxis und Perspektiven stärker herauszubilden.
Christoph Schlingensiefs Operndorf Afrika
Das Operndorf Afrika ist ein internationales Kunstprojekt, das seit 2009 in Burkina Faso entsteht. Es geht auf die Idee von Christoph Schlingensief (1960–2010) zurück und verbindet künstlerische Praxis, interkulturellen Austausch und postkoloniale Bildungsarbeit miteinander. Im Zentrum steht dabei, Menschen verschiedener Herkunft zusammenzubringen, kreatives Potenzial zu fördern und soziale Strukturen nachhaltig zu stärken. Das Dorf liegt 30 Kilometer entfernt von Ouagadougou auf einem Stück Land, das von der burkinischen Regierung bereitgestellt wird und ist zu einer lebendigen Gemeinschaft mit 26 Gebäuden angewachsen, mit Schuleinrichtungen, medizinischen Zentren, Ateliers, Wohnraum und Freiflächen für künstlerische und kulturelle Aktivitäten. Jenseits der Architektur ist das Operndorf Afrika ein lebendiger sozialer Organismus. Es werden Programme entwickelt, die Bildung, kulturelle Teilhabe und Gesundheitsversorgung verbessern und gleichzeitig Menschen über Grenzen hinweg miteinander verbinden. Die örtliche Gemeinschaft ist aktiv beteiligt und stärkt so ihre eigene Selbstbestimmung und langfristige Entwicklung. Gleichzeitig dient das Dorf als Plattform für einen kritischen internationalen Austausch, fördert differenzierte Perspektiven auf Afrika, regt zum gegenseitigen Lernen an und hinterfragt globale Machtstrukturen.
Eckdaten
- Ort
- Festung Hohensalzburg
- Datum
- 20. 7. – 8. 8. 26
- Unterrichtssprache
- Englisch (Deutsch und Yoruba möglich)
- Teilnahmegebühr
- 890 Euro (ermäßigt 635 Euro)
- Voraussetzungen
- Aufgeschlossenheit für alle künstlerischen/kuratorischen/kreativen Erfahrungen. Besondere technische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Bereitschaft zur Arbeit in der Gruppe und Einzelarbeit mit den Dozenten sowie Offenheit für interdisziplinäre Prozesse.
- Maximale Anzahl von Teilnehmenden
- 20
Taiwo Jacob Ojudun
Taiwo Jacob Ojudun lebt und arbeitet als Tänzer, Choreograf, Performer und Community Organizer in Lagos und Berlin. 2015 war er Mitbegründer von Illuminatetheatre. Illuminatetheatre ist ein Kreativlabor, das Tanz als Mittel zur Befähigung junger Menschen einsetzt. Taiwos Arbeit beschäftigt sich mit den Landschaften des Alltags und nutzt interdisziplinäre Medien und Performances, um gesellschaftspolitische Themen wie Identität, marginalisierte Geschichte und Neokolonialismus anzusprechen. Seine Projekte befördern Dialog, Solidarität und Wandel innerhalb künstlich entstandener Gemeinschaften. Im Jahr 2020 war Taiwo einer der Residenzkünstler in Christoph Schlingensiefs Operndorf Afrika in Burkina Faso, wo sich sein Projekt auf die Ermächtigung von Mädchen mittels verkörperter Praxis und kollektivem Ausdruck konzentrierte.
Webseite
Ausstellungen
2025 Trümmerberg Cartographies: Rituals, Memory, and Counter-Archives in Public Space, Bewegungsforschungsprojekt, Volkspark Hasenheide, Berlin.
2024 The Migrant, multimediale Tanzperformance, unabhängige Produktion, Berlin.
2023 EXIT Strategies: Unraveling Environmental Crises and Pursuing Climate Justice in the Global South, ufaFabrik, Berlin.
2018 what if:, experimentelle Filmcollage und Live-Performance, Austausch mit Galerie Wedding und SAVVY Contemporary, Berlin.
Uche Emmanuel Enechukwu
Uche Emmanuel Enechukwu ist ein nigerianischer Performancekünstler, Choreograf und Kreativdirektor. Als Mitbegründer von Illuminatetheatre Productions in Lagos beschäftigt er sich mit Identität, gesellschaftlichem Wandel und kollektiven Narrativen durch Performance und gesellschaftliches Engagement. Ausgebildet bei Segun Adefila, hat er international an Projekten wie Long Distance Call, Dear Beloved Friend und FESTIWALL Berlin mitgewirkt. Im Jahr 2025 entwickelte er GBÉBÒRÙN zu Umweltthemen und initiierte THE PLACE, um durch Kunst den Dialog und den sozialen Zusammenhalt zu fördern.