Menschen sind beim Malen von Bildern meistens stumm. Sie sprechen nur ausnahmsweise, gehen ganz in ihrer Aufgabe auf; sie befinden sich in einem tiefen inneren Dialog mit dem Bild, während sie sich gleichzeitig in Stille versenken.
Manche hören beim Malen Musik. Die Musik wirkt sich auf ihre Gefühle und, indirekt, auf ihre Malerei aus. Ihr Soundtrack ist im fertigen Werk nicht zu hören – und dennoch ist es natürlich möglich, dass das Bild noch Spuren des emotionalen Eindrucks enthält. In diesem Fall rührt er vom inneren Zustand des Malers oder der Malerin her, von der Stimmung oder emotionalen Neigung zur Zeit des Malens. Ansonsten bleibt das Bild aber stumm. Es bietet keine Worte, erzeugt keinen Klang, hängt flach an der Wand, nimmt fast keinen Raum ein; es drängt sich nicht in unser Leben, zwingt sich uns nicht auf. Einerseits ist diese inhärente Bescheidenheit der Malerei dem Aufbau einer Karriere nicht besonders zuträglich. Was geschieht jedoch, wenn Künstler diese Bescheidenheit voll und ganz akzeptieren und sie als Quelle ihres Credo entdecken – oder, zeitgemäßer ausgedrückt, als Strategie? Kann ein stummes Bild eine solche Haltung vermitteln? Ist das überhaupt von Bedeutung, da das Wesen der Bescheidenheit den Begriff der Bescheidenheit naturgemäß hinter sich lässt?
Und wie ist es mit den Betrachtenden? Was sehen sie, was fühlen sie? Ist dies überhaupt von Bedeutung – für das Bild oder für die Künstler*in?
In diesem Kurs werden wir uns mit Freude dieser eigentümlichen und doch alltäglichen Frage des stummen Bildes nähern, sowohl gedanklich als auch praktisch.
Dieser Kurs richtet sich an alle, die sich mit ihrer malerischen Praxis auseinandersetzen und die Qualität ihrer Malerei stärken möchten. Der Schwerpunkt liegt auf der eigenen künstlerischen Tätigkeit: Malen als ein kontemplativer, konzentrierter Prozess. Die Teilnehmenden werden individuell betreut, aber wir sprechen über die Werke auch in der Gruppe. Anhand von Diskussionen über die Bilder werden wir untersuchen, wie sich innere Haltung, Wahrnehmung und Empfindung im sichtbaren Bild vermitteln.
Wir werden individuell an unseren eigenen Bildideen arbeiten und dabei mitgebrachte oder im Laufe des Kurses entwickelte Motive verwenden. Dabei können verschiedene malerische Ansätze zum Einsatz kommen – von gegenständlich bis abstrakt, von strahlend farbig bis zurückhaltend.
Der Kurs bietet Raum für schöpferische Ruhe, Austausch und bewusste Wahrnehmung. Er richtet sich an alle, die gerne mit Malerei experimentieren möchten, unabhängig von ihrer Erfahrung.
Die ersten beiden Tage des Kurses umfassen einen Farbworkshop. In diesen Übungen werden wir verschiedene reduzierte Farbpaletten ausprobieren, um unser Verständnis für Farbmischungen und Farbverhältnisse zu vertiefen und ein gemeinsames Vokabular für die Beschreibung von Farben zu entwickeln, das wir später in unseren Diskussionen und Gruppenkritiken verwenden. Dieser Workshop eignet sich für alle Niveaustufen und wird uns helfen, uns gegenseitig kennenzulernen.
Nach dem Mittagessen bieten wir außerdem täglich eine kurze stille Meditation über unser kreatives Herz an: „Augen zu und hinsehen“ (Heartfulness).
Eckdaten
- Ort
- Festung Hohensalzburg
- Datum
- 3. – 15. 8. 26
- Unterrichtssprache
- Englisch (Deutsch und Italienisch möglich)
- Teilnahmegebühr
- 670 Euro (ermäßigt 495 Euro)
- Voraussetzungen
- Keine
- Mitzubringen sind
- Im Weiteren besteht der Kurs aus drei zweistündigen Sessions, in denen vom Modell gemalt wird. Wir verwenden wasserlösliche Ölfarben. Diese können mit Wasser verdünnt oder mit normalen Gel- oder lösungsmittelfreien Ölmedien verwendet werden. Wir stellen die Farben zur Verfügung, aber bitte bringen Sie auch eigene Farben (lösungsmittelfrei oder wasserbasiert), Pinsel und Malgrund (dickes Papier oder Leinwände) für die vier Übungen mit. Unserer Erfahrung nach ist A4 ein gutes Format für die zweistündigen Sessions, aber Sie können gerne auch größere oder kleinere Malflächen mitbringen, wenn Sie damit besser vertraut sind.
- Maximale Anzahl von Teilnehmenden
- 20
Christian Macketanz
Der 1963 in Eutin geborene Christian Macketanz studierte bei Maria Lassnig in Wien, lebte und arbeitete in Rom und Berlin und lehrt seit 2010 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.
„Mit malerischem Raffinement und einer Vielzahl miteinander verwobener Motivanleihen aus der Kunstgeschichte lockt uns der Künstler in den Innenraum seiner Bilder und setzt uns dort mit der Verführungskraft einer poetischen Rätselhaftigkeit dem Schock der großen und kleinen Lebensparadoxien aus…“
Karin Thomas, „Christian Macketanz“, DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2003.
Christian Macketanz thematisiert mit seiner Arbeitsweise indirekt die Macht des Bildes und der Malerei: Gedachtes und nicht Formulierbares erfahrbar zu machen, anzudeuten, Richtungen zu weisen, ohne dabei Dogmen zu bilden und durchaus in Kauf nehmend, dass der Betrachter nicht das gleiche Bild sieht wie das, was der Künstler gemalt hat. Er selbst spricht bei seinem Aufbau eines Bildmotiv von „inhaltliche Abstraktion“, was uns zeigt, dass der Weg zurück zur hundertprozentigen Rekonstruktion intendierter Bildinhalte mutwillig verschlossen ist, dass es vielmehr genau um das Sehen eines „eigenen Bildes“ geht."
Johannes Schmidt, „Behauptung“, Kerber Verlag, 2012.
Ausstellungen
Einzelausstellungen (Auswahl)
2025 Kick, Galerie Ines Schulz, Dresden (DE).
Macketanz at Vila Löw-Beer, Brno (CZ).
2024 Bild im Bild, Galerie Schloss Wiespach, Hallein (AT).
2023 0-5 (10 Meter Kindheit), Oswaldz, Dresden.
story & stories, Stadtgalerie Lehen, Salzburg (AT).
2022 Janačeck - Portraits, Janaćeck-Museum, Brno (CZ).
2019 Light in the Underground, Gallery 1. Patro, Prag.
Camaïeu, Galerie Antonstadt, Dresden.
2018 Family Portrait, Paolo Maria Deanesi-Gallery, Trient (IT).
I’m Nobody, Who are You?, Oswaldz, Dresden.
2014 Herr Tutsch beim Zollamt, Galerie Wannieck, Brünn (CZ).
2013 Amerika, Galerie m2a, Dresden.
Inhalt, Koffer, Berlin.
2012 Behauptung, Städtische Galerie, Dresden.
2009 Das vertikale Labyrinth, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis, Bregenz (AT).
2008 Notte Lunga, Galleria Maniero, Rom.
2007 Die Eutiner Bilder, Ostholstein Museum, Eutin (DE).
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2021 HierBetween mit Andreas Karner, Sehsaal, Wien.
2021 LNDSCP/New means for landscape, Paolo Maria Deanesi Gallery, Trient; Area 35 Art Gallery, Mailand (IT); CRAG Chiono Reisovà Art Gallery, Turin (IT).
2020 autonarrativ mit Sophie Thelen, Galerie Allerart, Bludenz (AT).
2018 Die 90er Jahre, MUSA, Wien.
2017 Hom(m)e, Paolo Maria Deanesi-Gallery, Trient.
2016 Rabenmütter, LENTOS Kunstmuseum, Linz (AT).
2015 You knee them in the chin…, Spor Klübü, Berlin.
2014 Mensch werde wesentlich, Kunstverein Freunde aktueller Kunst, Zwickau (DE).
2010 Körper Codes, Museum der Moderne, Salzburg.
2006 ich hab ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd… Werke aus der Sammlung für Kinder im Museum der Moderne – Salzburg, Rupertinum, Salzburg.
Wiebke Herrmann
geboren 1987 in Dresden
Ausbildung
2009 HfBK Dresden, Studium der Bildenden Kunst, Bildhauereiklasse von Wilhelm Mundt
ab 2010 Malereiklasse von Christian Macketanz
2016 Diplom
2016-18 Meisterschülerstudium bei Christian Macketanz
2023/24 Asisstenz Klasse Christian Macketanz, Hochschule für Bildende Künste Dresden
Ausstellungen
Einzelausstellungen (Auswahl)
2024 Like a Prayer, Kirche Maria am Wasser, Dresden (DE).
2022 Folie à deux, Wiebke Herrmann & Dana Berg, Gallery Oswaldz Temporary, Dresden.
2020 Meine hundert besten Freunde, Wiebke Herrmann & Thomas Judisch, Galerie Raskolnikow, Dresden.
2020 Tabula Rosa, Stadtarchiv Dresden.
2018 Flügge, Kunstraum Braugasse, Hoyerswerda (DE).
2016 Die Leiden der jungen W., Kunstraum Neuer Sächsischer Kunstverein, Dresden.
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2024 Just tell me a story, Migrant Bird Space Gallery, Berlin.
2024 Finding Narratives, Chapter III+IV, Kunstverein Meißen (DE).
2023 Internationale Triennale: 3-Häuser-Kunstpfade, Eifel (DE).
2022 Neuzugänge zeitgenössischer Kunst im Kunstfonds 2020/21, Landesvertretung des Freistaates Sachsen beim Bund, Berlin.
2022 11 Jahre SALZ-Verlag – und weiter als wär‘ nichts gewesen, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz (DE).
2021 WIN/WIN, Halle 14 für zeitgenössische Kunst, Spinnerei, Leipzig (DE).
2021 Existenz, Chapter II: Spuren, Oktogon, Hochschule für Bildende Künste, Dresden.
2020 Ortgespräche mit Weltempfänger, Isa Genzken – Wiebke Herrmann – Svea Duve – André Tempel – Antje Guske – Silvio Zesch in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Sammlung Hoffmann, Kunstverein Meißen.
2020 salondergegenwart X, Alter Wall 20-22, Hamburg
2019 Deep Surface, a room that, Baumwollspinnerei Halle 14, Leipzig.
2019 Ich wohne in der Möglichkeit, Masterclass of Christian Macketanz, sehsaal, Wien