Curtis Talwst Santiago
Dingolay: painting without limitations
5. – 17. 8. 24
In Trinidad und Tobago bezeichnet das Wort „dingolay“ Tätigkeiten, die mit spontaner, freudiger und sorgloser Hingabe ausgeführt werden. Dazu gehören außerdem eine stolze Haltung, die Abwesenheit einer kalkulierten oder vorsichtigen Selbstwahrnehmung, der Wunsch zu provozieren (ohne beleidigend zu werden). Das Ergebnis ist eine Freiheit, die sich aus der bewussten Konzentration auf die innere Logik der Tätigkeit ergibt – sei es Tanz oder Musik. In jeder Hinsicht muss man sich ganz der Sache hingeben, und zwar so, dass die Zuschauer entweder selbst in die Tätigkeit hineingezogen werden oder sie als ein Anzeichen von Wahnsinn werten. Der Begriff geht auf das französische Kolonialerbe der Zwillingsinseln zurück und bezeichnet wörtlich etwas, was auf „verrückte“ oder sorglose Weise umhergeworfen wird.1Mit Musik und aus dem Karneval entlehnten Bewegungen werden die Teilnehmenden erkunden, wie es ist zu malen, ohne durch einen vorgefassten Plan eingeschränkt zu sein. Curtis Santiago ist sich bewusst, dass die Malerei eine ernste Angelegenheit ist und lädt die Teilnehmenden dazu ein, sich ihr in einer befreiten Art und Weise zu nähern, Unbekanntes zu erkunden und Werke zu schaffen, die anders sind.
Die Studierenden sollen gern Werke mitbringen, an denen sie gerade arbeiten oder aber neue Werke anfangen, die für ihre derzeitige Praxis relevant sind. Bringen Sie Materialien aus dem Atelier mit, aber suchen Sie sich auch inspirierende, zurückgewonnene bzw. gefundene Materialien, die sich eventuell für Ihre Kursarbeiten verwenden lassen. Curtis Santiago versteht es, gefundene Gegenstände in sein Werk zu integrieren und ermutigt die Teilnehmenden, verschiedene Medien in ihren Malprozess einfließen zu lassen. Ob figurativ oder abstrakt, der Dingolay-Ansatz lässt sich auf beide Stile anwenden.
Die Teilnehmenden werden auch dazu angeregt, an einem gemeinsamen Bild zu malen. Wenn die eigene Arbeit starr wird oder gerade nicht vorangeht, können sie an dieser Leinwand arbeiten und frei malen. Dieses Gemeinschaftswerk wird später in Kostüme für eine Tanzparty im Rahmen der Open Studios umgearbeitet.
Während des zweiwöchigen Kurses werden wir im Sinne eines Gedankenaustauschs zusammenarbeiten und regelmäßige Gruppen- und Einzelsitzungen abhalten, um uns Feedback zu geben.
Für weitere Informationen zum Konzept des „dingolay“: “From Dingolayin’”, Eric G. Flett, https://jrichardmiddleton.files.wordpress.com/2015/09/flett-dingolayin-published-chapter.pdf.
1.Siehe Mendes, John Cote ci Cote la Trinidad & Tobago Dictionary; Lise Winer, Dictionary of the English/Creole of Trinidad and Tobago. Obwohl sie für die hier entwickelte Definition von „dingolay“ nicht allein verantwortlich sind, bin ich beiden Autoren für ihre Arbeit zur Erhaltung der Sprache und Kultur Trinidads, zu der auch der Begriff „dingolay“ gehört, zu Dank verpflichtet.
Eckdaten
- Ort
- Festung Hohensalzburg
- Datum
- 5. – 17. 8. 24
- Unterrichtssprache
- Englisch
- Mitzubringen sind
- Materialien, mit denen die Teilnehmenden aus ihrer eigenen Praxis vertraut sind. Eine Auswahl von zurückgewonnenen (gefundenen) Materialien sowie Gegenstände mit verschiedenen Texturen und einzigartige Objekte. Ein oder mehrere Arbeiten, die die Teilnehmenden radikal verändern wollen, oder mit denen sie gerade nicht weiterkommen.
- Voraussetzungen
- Offen für alle Erfahrungsstufen. Im Kurs wird jeden Tag Musik abgespielt, und von den Teilnehmern wird erwartet, dass sie sich in Bewegungsaktivitäten ausdrücken.
- Maximale Anzahl der Teilnehmenden
- 20
- Co-Lehrende
- Lilly Varga
- Teilnahmegebühr
- 670 Euro (ermäßigt 495 Euro)
Curtis Talwst Santiago
(geb. 1979, Edmonton, Alberta) lebt und arbeitet in München. Zu Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit war er Schüler von Lawrence Paul Yuxweluptun. Er hat international ausgestellt, u. a. im Drawing Center und im New Museum, New York; im Eli and Edythe Broad Museum der Michigan State University, East Lansing, MI; im Institute of Contemporary Art der Virginia Commonwealth University, Richmond, VA; im Pérez Art Museum, Miami, FL; in der Art Gallery of Ontario, Toronto, Kanada; in der Osage Gallery, Hongkong; und in verschiedenen anderen Museen. Seine Werke befinden sich unter anderem in den ständigen Sammlungen des Lenbachhauses, der National Gallery of Canada, der Kadist Foundation, des Studio Museum, Harlem und des Nevada Museum of Art.
Santiago war Teil der SITE Santa Fe SITELines. 2018 Biennale, der Casa Tomada, der ersten Toronto Biennale 2019 in Toronto, Kanada, sowie der Biennale de Dakar 2018 und 2022 im Senegal.
"In meiner Praxis verbindet sich Malerei, Skulptur, Installation und Klang zu einer Auseinandersetzung mit Gedächtnis, Migration und der Frage, wie persönliche Geschichte mit größeren kulturellen Erzählungen verknüpft ist. Ich beginne mit Recherchieren, Schreiben und Zeichnen und entwickle meine Werke dann in einer praktischen Phase: Ich baue Formen, teste Materialien und setzte Szenen zusammen, die sich zwischen Intimität und öffentlichen Anknüpfungspunkten bewegen. Klang- und Archivmaterialien dienen mir oft als strukturierende Elemente und prägen die Art und Weise, wie das Werk in einer Räumlichkeit aktiviert werden kann. Jedes Projekt entsteht durch Iterationen; es bewegt sich zwischen Idee, Objekt und Umgebung und lädt zu genauer Betrachtung und Reflexion ein."
Webseite
Ausstellungen
Ausgewählte Einzelausstellungen
2025 Offsides, Nir Altman, München (DE).
Buttermilk Mood, Hiro Gallery, Tokyo.
2024 A man not in the mood for salsa, Martina Simeti Gallery, Mailand (IT).
2023 Artissima, Torino, Nir Altman Gallery, München.
Moving through Burning Haze, Cooper Cole Gallery, Toronto (CA).
Joyvasted, Nir Altman, München.
Mas a Play, Capsule Gallery Shanghai, Art Brussels, Brüssel.
Ausgewählte Gruppenausstellungen
2025 Deep Color, Halsey McKay Gallery, East Hampton, NY (US).
AGA100: Act 3 Words to Worldmaking, Art Gallery of Alberta, Alberta (CA).
Smaller Objects Larger Pictures, Halsey McKay Gallery, East Hampton, NY.
HOME: A Space of Sharing and Strength, National Art Gallery of Canada, Ottawa.
2024 Drawing Now Art Fair, Paris; Art Basel (HK).
Frieze, Los Angeles, CA (US).
Felix Art Fair, Los Angeles, CA.
V1 Gallery, Kopenhagen (DK).
2023 Mickalene Thomas – Portrait of an Unlikely Space, Yale University Art Gallery, New Haven, CT (US).
Poetry of the Evident, Galerie Droste, Düsseldorf (DE).
Crafting Resitance, Arizona State University, Tempe, AZ (US).
Publikationen
Brown, Kate, "Why Is Small Art So Big Right Now?", in: ArtNet, 22. Januar 2025.
https://news.artnet.com/art-world/small-art-2599293?amp=1
Demircan, Saim, "Curtis Talwst Santiago’s Sonic Sensibilities", in: frieze, 4. März 2024.
https://www.frieze.com/article/curtis-talwst-santiago-a-man-not-in-the-mood-for-salsa-2024-review
Humber, Larry, "Former Art Gallery of Ontario curator wins Canadian foundation’s curatorial award", in: The Art Newspaper, 31. Juli 2024.
https://www.theartnewspaper.com/2024/07/31/wanda-nanibush-curtis-talwst-santiago-hnatyshyn-foundation-mid-career-award
Milnes, Daniel, „Curtis Talwst Santiago at Nir Altman“, in: Art Viewer, 16. März 2023.
https://artviewer.org/curtis-talwst-santiago-at-nir-altman/