Zum Inhalt Zur Sitemap

Pressemeldungen

Pressemitteilung

Symposium Globalkunst - Ein Symposion der AICA (Sektionen Österreich und Schweiz) und der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg

02.05.2011

Konzept: Sabine B. Vogel,  Hildegund Amanshauser
Vortragende: Nancy Adajania, Hans Belting, Bassam el Baroni, Monica Juneja, Jitish Kallat, Senam Okudzeto
Dauer: 29. – 30. Juli 2011
Ort: Künstlerhaus Salzburg

Globalisierung, Globalität, Globalkunst

Globalisierung bezeichnet in der Regel einen wirtschaftlichen Prozess. Was aber bedeutet diese weltweite Entwicklung für die Kunst? Stehen wir am Beginn einer neuen Entwicklung, die wir Globalkunst nennen können – und was genau ist darunter zu verstehen? Inwieweit beeinflussen die neuen Lebensbedingungen der Globalität die zeitgenössische Kunst? Kunst ist seit Jahrhunderten international vernetzt, gibt es eine neue Qualität, die die Globalkunst auszeichnet? Wie verhält sich das, was man Globalkunst nennen könnte, zur Postkolonialismusdebatte?

Diese Fragen werden in einem Symposion verhandelt, in dem zwei Tage lang am 29. und 30.Juli 2011 TheoretikerInnen und KünstlerInnen den Begriff und die Konzepte einer Globalkunst zu klären versuchen. Gemeinsam mit der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg wird das Symposion von der österreichischen und der Schweizer Sektion der AICA (internationale Kunstkritiker-Vereinigung) veranstaltet.

Globalkunst – Wunsch oder Wirklichkeit?

Grundlage dieser Neuinszenierung ist die Globalisierung, der Adajania den Globalismus entgegensetzt. Während Globalisierung den 1989 einsetzenden, weltwirtschaftlichen Transformationsprozess bezeichnet, steht Globalität in dieser Definition für das Leben in einer globalisierten Welt. Laut Ulrich Beck bezeichnet der Begriff die Lebensform einer „wahrgenommenen, reflexiven Weltgemeinschaft“, die bestimmt ist durch Vielheit ohne Einheit. Globalismus wiederum ist laut Ulrich Beck die neoliberalistische Ideologie der Globalisierung: Das wirtschaftliche Handeln verdrängt das politische Handeln mit dem Ziel der Weltmarktherrschaft. Adajania dagegen sieht Globalismus als „Reflexion und Gegenmittel zur Globalisierung“.

Globalkunst – Charakteristika, Qualitäten und Chancen
Für die Kunst bedeutet die Globalisierung zunächst einmal das Ende der westlichen Hegemonie und den Beginn eines Weltkunstmarkts. Mit der Globalisierung betreten mehr und mehr KünstlerInnen, in Folge Galerien und SammlerInnen aus verschiedenen Kulturkreisen und Regionen den globalen Kunsthandelsmarkt. Auch in den Themenstellungen der Kunstwerke zeichnen sich deutlich Einflüsse der Globalisierung ab. Immer häufiger steht die Globalität zur Debatte, wie in den Arbeiten des indischen Künstlerkollektivs CAMP auf der Sharjah Biennale 2008 mit ihrem Radio- und Buchprojekt „WAHRFAGE“ den Seehandel als „space of conflict“ bezeichnen und dazu auffordern, die malerischen Schiffe in dem Emirat nicht als Fotomotiv für Touristen, sondern im globalen Zusammenhang der Waren, der Arbeitsbedingungen und der eingeschränkten Rechte der Seeleute wahrzunehmen. In seiner raumfüllenden Installation „Nations“ verspannt der Inder N. S. Harsha die Fäden von 192 Nähmaschinen in einen Raum, auf denen die Nationalflaggen aller UN-Mitglieder gerade fabriziert zu werden scheinen – ein intensives Bild für die Zusammengehörigkeit aller Länder, in dem Wirrwarr aber auch für die vielen Verflechtungen zwischen den Nationen. Eine weithin bekannte künstlerische Sprache zitiert Taysir Batniji, wenn er israelische Wachtürme in seiner Heimat Palästina in der Art von Bernd & Hilla Becher fotografiert und damit den sachlichen Stil der Düsseldorfer politisiert:

Kann hier von einer Globalkunst gesprochen werden? Bezeichnet Globalkunst ganz generell Kunst, die nicht mehr aus der kulturellen Überlegenheitsperspektive des Westens, sondern aus der Erfahrung von Globalität und unter den Bedingungen der Globalisierung entsteht?
Ist Globalkunst ein Sammelbegriff für Werke, die die Geschichte von Bildern und ihrer weltweiten Ausbreitung nachzeichnen oder sind es jene Werke, die die längst überkommene, geopolitische Aufteilung der Welt in westlich / nicht-westlich überwinden können?
Ist das Kennzeichen von Globalkunst eine visuelle Sprache, die weltweit verstanden werden kann, oder handelt es sich um Werke, die Themen rund um die Globalisierung aufgreifen? Oder ist Globalkunst der Wunsch nach und ein Versprechen auf eine polyzentrische Wahrnehmung der Welt, in der explizit Lokales mit Globalem verbunden wird, Traditionen und aktuelle Entwicklungen nebeneinander gestellt und kulturhegemoniale Grenzen zur Diskussion stehen?

 

Referentinnen:

Nancy Adajania, Kulturtheoretikerin, Kritikerin, freie Kuratorin in Bombay. Künstlerische Kodirektorin der 9. Gwangju Biennale, 2012.

Hans Belting, Kunsthistoriker, Professor em. am Institut für Kunstwissenschaft und Medientheorie an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.

Bassam El Baroni, Kurator und Kritiker, lebt in Alexandria, Ägypten. Er ist Mitbegründer und Leiter des gemeinnützigen Kunstraums Alexandria Contemporary Arts Forum (ACAF).

Monica Juneja ist Professorin für Globale Kunstgeschichte am Exzellenzcluster Asien und Europa im globalen Kontext an der Universität Heidelberg.

Jitish Kallat, Künstler, lebt in Mumbai.

Gerardo Mosquera, unabhängiger Kurator, Kritiker und Kunsthistoriker, lebt in Havanna. 2011–2013 ist er künstlerischer Leiter der PHotoEspaña in Madrid.

Senam Okudzeto, Künstlerin, Autorin und Aktivistin, Gründerin von Art in Social Structures, einer NGO für kulturelle Bildung und Erhaltung des kulturellen Erbes in Ghana.


www.summeracademy.at, office@summeracademy.at

« Zurück zur Übersicht