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Tanja Dückers

Autorin zu Gast 2010

Tanja Dückers war die erste Autorin zu Gast bei der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg. Sie erforschte im Sommer 2010 die Sommerakademie, gestaltete zwei Mittagsgespräche und eine Lesung und realisierte einen Workshop Künstlerisches Schreiben. Im Anschluss an ihren Aufenthalt verfasste sie folgenden Text:

Salzburg war lange Zeit nichts als eine fixe Idee. Immer wieder erhielt ich Einladungen nach Salzburg, vom Literaturhaus, einer Bibliothek, doch nie hat es zeitlich geklappt. Die Autorenkollegin Kathrin Röggla stammt aus Salzburg, erzählte von ihrer Heimatstadt, Bilder verdichteten sich im Kopf. Langsam wurde Salzburg zu einer fixen Idee, einem mystischen Ort. Wie könnte es dort sein?
Salzburg - Schon der Name der Stadt ist irritierend, hat etwas von einem Paradoxon: Mit Salz verbinde ich etwas Feines, etwas, das sich auflöst, und  - irgendwie – etwas Trauriges. Salz ist für mich fast so etwas wie die sich materialisiert habende seelische Befindlichkeit eines Melancholikers. Und dann „Burg“: Das ist so gar nicht ein Seelenort, das hat wenig Intimes - ist und bleibt ein militärisch konnotierter Ort.
Außerdem habe ich als Kind so viele Burgen besichtigen müssen, das meine Ohren bei „Burg“ auf taub gestellt sind. Ich reagiere auf „Burg“ wie der Salzburger auf die Silbe „Mo“. Nicht aber auf „Hohensalzburg“, das darf meine Ohren passieren. Das ist ein großartiges Wort, ich habe keine Gelegenheit ausgelassen, es in den Mund zu nehmen, diese hohe Burg – immer wieder rekurrierte ich darauf. Es gibt eine Lust daran, bestimmte Worte auszusprechen und ihnen gleichzeitig nachzuschmecken, die nur von bestimmten Törtchen übertroffen werden kann.
Und so kommt zum Salz das Süße:

Tanja Dückers (1968), geboren und aufgewachsen in West-Berlin, studierte Kunstgeschichte, Amerikanistik sowie Germanistik und arbeitet heute als Schriftstellerin, Journalistin und Kunstkritikerin. Zahlreiche Auslandsaufenthalte in Form von Stipendien prägten ihre literarische Laufbahn, wofür sie bereits viele Preise und Auszeichnungen erhielt. Zu ihrem Repertoire zählen Prosa, Lyrik, Essays wie auch Kinder- und Jugendliteratur. Zuletzt erschienen ihr Roman Der längste Tag des Jahres (2006) und ein Essay Über das Erinnern (2008).

Eine Kooperation der Internationalen Sommerakademie für Bildende Kunst Salzburg und des Salzburger Literaturforums Leselampe.